Code und Choreographie

Text: Anna Ettlin

Musik verbindet Menschen – miteinander, aber auch mit der Technik. Julia Chatain hat immer wieder beobachtet, wie sich unterschiedlichste Leute für musikbasierte Computerspiele begeistern, auch wenn sie ansonsten mit Computern und «Games» wenig anfangen können. Das brachte Chatain, Softwareentwicklerin am Game Technology Center (GTC) der ETH Zürich, auf die Idee, ein Augmented-Reality-Rhythmusspiel zum Gegenstand des Programmierworkshops an den Informatiktagen zu machen.

Das Spielprinzip ist unkompliziert: Auf dem Bildschirm sieht der Spieler farbige Elemente auf sich zukommen, die er im Takt mit der Musik einfangen muss. Zum Spielen braucht es weder Maus noch Tastatur: Der Spieler steuert das Spiel mit den eigenen Händen. Dafür werden an den Handflächen bunte Aufkleber angebracht. Eine am Computer angeschlossene Kamera erkennt daraufhin die Handbewegungen. «Es war mir wichtig, den Kontakt zur reellen Welt zu behalten», erklärt Julia Chatain.

Eine solche Mischung aus virtuellen Elementen und der reellen Umgebung wird als Augmented Reality (AR), auf Deutsch erweiterte Realität, bezeichnet. «Die AR-Technologie eignet sich sowohl für Spiele als auch für Lernanwendungen», sagt Chatain. Ideale Voraussetzungen also für den Einsatz im Programmierworkshop für Schulklassen. Dabei war der Entwicklerin besonders wichtig, dass das Spiel, welches den scherzhaften Namen «AR’nB» trägt, möglichst vielen Jugendlichen gefallen könnte, unabhängig von Geschlecht oder Vorlieben. «Gerade Mädchen sind bei AR-Anwendungen oft begeistert, weil sie nicht wussten, dass man mit Informatik auch solche Sachen machen kann», sagt die Entwicklerin.

Kreativität ist gefragt

Auch beim Programmieren während des Workshops können die Schülerinnen und Schüler das Spiel individuell gestalten. Das Grundgerüst des Spiels wird von Julia Chatain und ihren Kollegen von GTC gestaltet: Softwareentwickler Henry Raymond, der den Workshop gemeinsam mit Julia Chatain unterrichtet, sowie Digital Artists Violaine Fayolle und Fraser Rothnie. Die Jugendlichen müssen jedoch ihre eigenen «Level» für das Spiel gestalten, also die Songs, die sie spielen möchten. «Wenn man will, kann man durch das Einprogrammieren der Blöcke, die es einzufangen gilt, eine kleine Choreographie erschaffen», erklärt Chatain. «Oder aber man kann versuchen, das Level möglichst schwierig zu machen, damit man beim Spielen möglichst viele Punkte bekommt.»

Individuell darf auch das Niveau der Schülerinnen und Schüler sein: Für den Workshop wird keine Programmiererfahrung vorausgesetzt. Jugendliche, denen der Einstieg ins Thema schwer fällt, bekommen von Chatain und Raymond die nötige Unterstützung, damit auch sie die kreative Seite des Spiels erkunden können. Und wer im Workshop nicht genug von «AR’n’B» gehabt hat, kann ganz einfach zu Hause weiter tüfteln: Die Software ist kostenlos verfügbar.

Die dreistündigen Workshops vom Game Technology Center der ETH Zürich finden am Mittwoch, 13. März, und Donnerstag, 14. März, im Rahmen der Informatiktage statt und richten sich an Schulklassen. Beide Workshops sind bereits ausgebucht. Julia Chatain plant, in Zukunft weitere Programmierworkshops rund um das Musikspiel «AR’n’B» anzubieten.