Informatik für Notfälle: „Der Sinn unserer Arbeit ist hier immer klar“

Werner Jakob arbeitet als Clinical Data Management Berater im Universitätsspital Zürich. Was das heisst, erklärt der 50-Jährige studierte Arzt und Betriebswirt im Gespräch. Er ist bei der Zürcher Informatikfirma emineo angestellt, verbringt seine Arbeitstage seit eineinhalb Jahren jedoch fast ausschliesslich am Universitätsspital. Dort hilft er den Ärzten und Betreibern dabei, ihre IT-Lösungen so auszubauen, dass ihr Alltag einfacher und effizienter funktioniert. In einem Spital heisst das: dass es den Patienten besser geht und sie schneller gesund werden. Werner Jakob gibt Auskunft...

...über das Umsetzen von Ideen vor Ort
Als Berater bin ich an den Projekten von Analyse über Konzeption bis zu ihrer Realisierung und Einführung beteiligt. Mein Aufgabengebiet ist also sehr breit. Die Prozesse dauern Wochen bis Monate. Wir versuchen sie immer in kleinere Zwischenschritte mit unterschiedlicher Zusammensetzung des Teams zu unterteilen. Ich hole von den Ärzten Nutzeranforderungen ein, kläre die Ausgangslage auf den bestehenden Systemen und präsentiere verschiedene Möglichkeiten zur Umsetzung. Dann wird die Lösung realisiert. Der tägliche Austausch ist dabei sehr wichtig, damit das Produkt wirklich das bietet, was seine Anwender brauchen. Das muss ich immer wieder genau verstehen und neues Wissen aufbauen. Deshalb fokussiere ich meine Arbeit seit eineinhalb Jahren auf einen Kunden. So kann ich auch direkt auf dem lokalen Netz und den betreffenden Systemen programmieren.

...über Notfälle und Antibiotika, gegen die besser keine Resistenzen entstehen
Mit einem unserer aktuellen Projekte machen wir den Gebrauch von Antibiotika in den verschiedenen Abteilungen im Spital messbar. Allfällige Resistenzen werden aufgedeckt und Massnahmen dagegen können ergriffen werden. Diese Daten waren bisher schon vorhanden. Sie werden aber für die Infektiologen des Spitals nun einfacher darzustellen und auszuwerten.

Um die Darstellung von Informationen geht es auch beim Notfalldashboard, das an sich schon eine Weile Bestand hat. Es zeigt übersichtlich alle Informationen zu den aktuellen Notfall-Patienten auf einem Bildschirm. Diese Daten müssen elektronisch zusammengetragen werden. Das zu programmieren ist der technische Teil meines Jobs. Bei der letzten Erweiterung ging es um die Umsetzung von neuen Funktionen, die sich die Notfall-Ärzte und -Pfleger gewünscht haben. Beispielsweise das einfache Verfolgen von Patientendaten. „Sind die Proben im Labor angekommen; wurde der Bericht bestellt oder steht er schon zur Verfügung?“ Das Notfalldashboard erleichtert bei solchen Fragen die Arbeit und die Ärzte müssen viel weniger manuell suchen.

Die Lösung muss natürlich auch gewappnet sein für einen Katastrophenfall, was im Spital die doppelte Belegung der Notfall-Kojen bedeutet. Da hilft das Tool seit der Ergänzung vor einem Jahr dabei, den Überblick zu behalten.

...über Ärzte, die noch an Papier gewohnt sind
Der Gesundheitsbereich ist in einigen Bereichen informatikmässig weit vorne, es gibt aber in vielen Bereichen aufzuholen. Abläufe mit Klemmbrett und Papier haben sich über Jahrzehnte gut eingespielt und haben deshalb immer noch Bestand. Die Ärzte sind grundsätzlich an modernen Lösungen interessiert, ihr primärer Fokus liegt aber auf ihrer täglichen Arbeit.

Der Sinn unserer Arbeit ist hier immer klar, auch wenn nicht jedes Projekt für den Betrieb täglich relevant ist. Die obigen Beispiele zeigen beide Möglichkeiten: Das Notfall-Dashboard ist unmittelbar sehr wichtig, das Antibiotika-Projekt eher für die Forschung über einen längeren Zeithorizont.

Unsere Projekte können die Zusammenarbeit, die Patientensicherheit und die Zugänglichkeit von Daten verbessern. So bieten sie Grundlage für die frühe Erkennung von Problemen und zielgerichtete Management-Entscheidungen. Natürlich sind moderne Tools immer unser Ziel, die Ideen müssen aber mit den bestehenden Systemen harmonieren. Hier liegt die eigentliche Schwierigkeit: unterschiedliche Systeme werden immer wieder neu miteinander verbunden.

...über schweizweiten elektronische Datenaustausch
In den nächsten Jahren sind Standardisierungen wichtig, damit beispielsweise Hausärzte, Spezialisten und Spitäler einfach und sicher Daten austauschen können. Dieses elektronische Patientendossier wird unseren Branchenzweig weiter beschäftigen. Ich bin für weitere Projekte sicher noch lange Zeit an Spitälern tätig. „Fertig“ sind wir mit unserer Arbeit hier wahrscheinlich nie.

von Raphael Weidmann